Weingut „De Brabantse Wal“: Von vierzig Rebstöcken zu einem Familienweingut

Vierzig Rebstöcke. Mehr brauchte es vor elf Jahren nicht, um ein Abenteuer zu beginnen. Ohne Erfahrung, aber voller Neugier pflanzt Josien die ersten Rebstöcke hinter ihrem Haus am Staakberg in Bergen op Zoom. Der erste Wein ist, wie sie selbst lachend sagt: „Einfach nur sauer.“ Dennoch widmet sie sich gemeinsam mit ihrem Sohn Michiel und ihrer Tochter Melanie mit ganzer Kraft der Weinherstellung. Gemeinsam dürfen sie sich nun als Eigentümer des Weinguts „De Brabantse Wal bezeichnen.

Die Familie liest ständig Bücher, besucht Kurse und lernt Schritt für Schritt, was alles zur Weinherstellung gehört. Von Rebsorten und Bodenarten bis hin zu Wein-Speisen-Kombinationen und der Weinbereitung: Die Neugier wächst mit jeder Flasche.
Auch die Arbeit im Weingut verändert sich. Während die Trauben in den Anfangsjahren noch einzeln von den Rispen gepflückt wurden, stehen inzwischen eine Entrappungsmaschine, eine Presse und eine Abfüllmaschine bereit. Nicht, weil es sein muss, sondern weil das Hobby langsam aus dem Ruder läuft. „Irgendwann fragen die Leute, ob man noch mehr Flaschen hat“, erzählt Michiel. „Dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist.“

Eine Chance, die man sich nicht entgehen lässt
Im Sommer 2025 kreuzen sich ihre Wege mit denen des Winzers Paul Bosse. Er beschließt, seinen Weinberg aufzugeben. Die Familie muss nicht lange überlegen. Über Crowdfunding wollen sie die Ernte übernehmen und einen fulminanten Start hinlegen. Nicht viel später meldet sich auch ein Investor, der Vertrauen in ihre Pläne hat. Plötzlich ändert sich alles. Von etwa 150 Rebstöcken im Hinterhof wächst der Weinberg auf über 4.000 Rebstöcke auf einem Hektar Land an. Dreitausend Kilogramm Trauben stehen zur Verarbeitung bereit. Mittlerweile liefert ein gutes Jahr etwa viertausend Flaschen Wein.

„Das war ziemlich aufregend“, erzählt Melanie. „Aber auch unglaublich schön.“ Seitdem werden die Weine in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Winzer in Limburg hergestellt. Gemeinsam legen sie den Stil jedes Weins fest. Sie verkosten, vergleichen und probieren so lange, bis der Wein genau ihren Vorstellungen entspricht.

Jeder erlebt den Weinberg anders
Obwohl Michiel und Melanie offiziell die Eigentümer sind, fühlt sich der Weinberg nach wie vor wie ein echtes Familienunternehmen an. Jeder hat seine eigene Rolle und seinen eigenen Grund, gerne hier zu sein. Für Melanie bildet der Weinberg das perfekte Gegengewicht zu ihrer sonstigen Arbeit. „Tagsüber bin ich Lehrerin in der Lehrerausbildung, abends Winzerin. Hier finde ich absolute Ruhe. Die Arbeit in der Natur ist für mich wirklich achtsam.“ Auch die ehrenamtlichen Helfer machen ihrer Meinung nach einen wichtigen Unterschied. „Wir arbeiten zusammen, aber zwischendurch bleibt auch Zeit, sich auszutauschen. Das macht es unglaublich schön.“

Für Josien bedeutet der Weinberg ein besonderes Kapitel ihres Ruhestands. „Im ersten Jahr habe ich viel gehäkelt und gemalt, aber das hier macht mir viel mehr Spaß. Man beschäftigt sich mit etwas Ernsthaftem und begleitet den gesamten Prozess aus nächster Nähe.“

Michiel lacht, als er erzählt, dass seine Hobbys immer aus dem Ruder laufen. „Ich kann nicht gut stillsitzen. Und hier im Weinberg gibt es immer etwas zu tun. Man blinzelt kurz mit den Augen, und schon wachsen die Ranken wieder über den Draht hinaus.“ Neben der Arbeit zwischen den Weinreben kümmert er sich auch um Führungen, Verkostungen und das Marketing. „Ich finde es großartig, Menschen etwas beizubringen. Das liegt eigentlich bei uns dreien in der Natur. Wir arbeiten alle im Bildungswesen.“

Der Brabantse Wal im Glas
Dass der Weinberg gerade auf dem Brabantse Wal liegt, ist nach Ansicht der Familie alles andere als ein Zufall. Der sandige Boden mit einer Lehmunterlage bildet eine ideale Grundlage für Trauben. Die Hanglage sorgt fast immer für eine kühle Brise, und auch das besondere Mikroklima wirkt sich zu ihrem Vorteil aus. „Der Brabantse Wal ist wirklich eine einzigartige Gegend“, sagt Josien.

Laut Michiel entdecken immer mehr Menschen, wie gut niederländischer Wein mittlerweile ist. „Die Leute haben oft noch Vorurteile. Bis sie die Weine probieren – dann sind sie wirklich positiv überrascht.“ Dass die Produktion in den Niederlanden teurer ist als in vielen anderen Weinländern, verstehen die Besucher auch besser, wenn sie sehen, wie viel Handarbeit hinter jeder Flasche steckt.

Die Natur bestimmt das Tempo
Wer Wein herstellt, lernt schnell, dass nicht alles planbar ist. „Man hat Kontrolle – und man hat keine“, erzählt Melanie. „Auf das Wetter hat man keinen Einfluss; Frost oder Hagel können großen Schaden anrichten.“ Genau deshalb dreht sich die Weinherstellung laut Michiel um Achtsamkeit. „Siebzig bis achtzig Prozent dessen, was letztendlich im Wein steckt, bestimmt man bereits im Weinberg. Es geht um das richtige Timing, genaues Beobachten und die Entscheidung für Qualität statt Quantität.“
Keine Saison gleicht der anderen. Jeder Tag erfordert wieder andere Entscheidungen. Blätter ausdünnen, Trauben auswählen oder eben erst einmal nichts tun. Die Natur gibt das Tempo vor.

Ein gutes Glas Wein und eine gute Geschichte
Wer das Weingut „De Brabantse Wal besucht, kommt vielleicht wegen einer Weinprobe, geht aber meist mit mehr nach Hause als nur einer Flasche Wein. Bei einer Führung spazieren die Besucher zwischen den Weinreben und entdecken, wie viel Aufmerksamkeit, Geduld und Entscheidungen hinter einem einzigen Glas Wein stecken. Anschließend nehmen sie in der Scheune, mitten auf dem Feld, an einer Verkostung teil.

„Die Leidenschaft ist förmlich spürbar“, hören Josien, Michiel und Melanie regelmäßig. Das ist vielleicht das schönste Kompliment. Letztendlich hoffen sie, dass den Besuchern nicht nur der Geschmack ihres Weins in Erinnerung bleibt, sondern vor allem das Gefühl, das dieser Ort vermittelt. Die Ruhe des Brabantse Wal und die Erkenntnis, dass schöne Dinge manchmal im Kleinen beginnen. Mit vierzig Rebstöcken.

Besuchen Sie die Website des Weinguts „De Brabantse Wal “

August 2026